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Jahresbericht 2020

Das Positive zuerst: Auch im Lockdown hat das Museums-Team soweit möglich weitergearbeitet und Neues entwickelt. So können wir mit SmarTrails zurzeit bereits drei spannende Rundgänge mit dem Handy anbieten, weitere Themen sind in Arbeit. Sie finden alles Wissenswerte dazu im vorliegenden und im letztjährigen Jahresbericht: Entdecken Sie, was im Corona-Jahr hinter den Kulissen geschah und was das neue Museumsjahr bringt.

Christa Rüedi, Präsidentin der Museumskommission
Ein Dankeschön für das Freiwilligenteam!

Editorial

Trotz Corona, das Museum lebt

Das Positive zuerst: Auch im Lockdown hat das Museums-Team soweit möglich weitergearbeitet und Neues entwickelt. So können wir mit SmarTrails zurzeit bereits drei spannende Rundgänge mit dem Handy anbieten, weitere Themen sind in Arbeit. Sie finden alles Wissenswerte dazu im vorliegenden und im letztjährigen Jahresbericht. Auf der neu gestalteten Website ist laufend Neues zu entdecken, alle aktuellen Informationen und viel Wissenswertes werden dort schrittweise aufgeschaltet. Seit dem 5. März ist die Sonderausstellung «Geld+Geist» fürs Publikum geöffnet; sie wird bis zum 12. Dezember 2021 verlängert. Auch Führungen und Anlässe sind, mit Einschränkungen, wieder möglich – immer mit den nötigen Schutzmassnahmen.

Nur einfach war das vergangene Jahr aber nicht: Besucher, Besucherinnen und damit auch Einnahmen der Sonderausstellung haben gefehlt, Begleitveranstaltungen mussten wiederholt abgesagt oder verschoben werden - die entsprechende Kommunikation war eine spezielle Herausforderung -, die Öle hat auf Sparflamme funktioniert, Sammlungszugänge gab es praktisch keine, die Anlässe für Freiwillige und Ölimannen konnten nicht stattfinden; last but not least und unabhängig von der Pandemie musste das grosse Archiv im Bauernhaus an der Bernstrasse geräumt, neue Lokalitäten mussten gefunden werden; die Sammlungsobjekte sind jetzt neu zu ordnen und zu registrieren - eine grosse Aufgabe erwartet uns.

Entsprechend präsentiert sich der vorliegende Jahresbericht: Wir zeigen die Auswirkungen, welche die Pandemie auf den Museumsbetrieb hatte und hat. Die letztjährige ausführliche Vorschau auf die Sonderausstellung über die Siedlungsentwicklung erscheint in Kurzversion noch einmal: wegen der Verlängerung der jetzigen ist die nächste Ausstellung neu erst auf Herbst 2022 geplant. Der Bericht über den Freiwilligen-Ausflug fehlt gänzlich. Die Organisation der Freiwilligen-Anlässe in diesem Jahr ist aber schon weit gediehen; wir sind zuversichtlich, dass im nächsten Jahresbericht auch der traditionelle Beitrag wieder enthalten sein wird.

Bereits an dieser Stelle danke ich allen Freiwilligen herzlich für ihren unermüdlichen, tatkräftigen Einsatz und ihre Treue auch in schwierigen Zeiten. Alles, was uns nicht umbringt, macht uns stark: Wahrscheinlich verfügen wir jetzt über Bärenkräfte…


Sammlung

Wenn fünftausend Objekte umziehen

Ein Unglück kommt selten allein. Mitten im Corona-Jahr erhielt das Museum eine Hiobsbotschaft: die Kündigung des Mietvertrages für den grössten Archivraum per Ende Jahr. In diesen Räumen lagerte das Museum seit einigen Jahren rund fünftausend Objekte aus dem landwirtschaftlichen und alltagskulturellen Bereich. So begann im Frühsommer eine nicht ganz einfache Suche nach möglichst zentral gelegenen, für einen Stapler zugänglichen, ausreichend grossen und bezahlbaren Räumlichkeiten. Auf der Suche wurde rasch klar, dass in Münsingen und der näheren Umgebung zwar viele Lagerräume frei wären, diese aber nicht ins Museumsbudget passen. Unter anderem prüften wir eine Zwischenlösung, um ein wenig Zeit zu gewinnen. In der «Alten Moschti» wäre eine bezahlbare Zwischennutzung möglich gewesen. Dies hätte aber einen zweimaligen Umzug bedeutet.

Aus eins mach drei

Nach intensivem Suchen fanden wir neue Räumlichkeiten. Statt eines zentralen Archives konnten Räume an drei verschiedenen Standorten zugemietet werden. Die Erleichterung über die Lösung des vordringlichsten Problems hielt nicht lange an. Es stellte sich sofort die Frage, wie sich ein Umzug von über 5'000 Objekten bewerkstelligen lässt. Wer kann uns unterstützen und tatkräftig anpacken? Wie hoch sind die Kosten? Welche Objekte sollen neu an welchem Ort gelagert werden? Wie ist die Zugänglichkeit? Wie organisiert man einen Umzug «coronakonform»? Fragen über Fragen.

Depot-Umzug: Der Schrecken aller Museen

Das Archivteam, bestehend aus einer Gruppe von Freiwilligen und der Museumsleiterin, machte sich umgehend an die Planungsarbeit. In einem ersten Schritt wurde eine Triage vorgenommen: sämtliche Objekte wurden einem neuen Standort zugeordnet und so gekennzeichnet, dass das Umzugsteam wusste, was wohin gehört. Bei dieser Gelegenheit wurden auch einige Objekte «entsammelt», also aus der Sammlung ausgeschieden. Wo möglich wurden die Objekte vorgruppiert und für den Transport vorbereitet. Da sich allerdings auch viele sperrige und schwere Objekte in der Sammlung befinden, war diese Vorarbeit ohne ausreichende Muskelkraft nicht durchwegs möglich.

Das grosse Unbehagen über den bevorstehenden Umzug mit noch unsicheren Rahmenbedingungen liess erst nach, als die Zusage des Zivil- und des Kulturgüterschutzes der Region Worb-Bigenthal eintraf: Ein Trupp von Zivilschützern würde in erster Linie die Umzugsarbeiten übernehmen, während einige Angehörige des Kulturgüterschutzes besonders erhaltenswerte und bedeutende Objekte für den Katastrophenfall verorteten.

Schwer beladen

Im Oktober begann die Aktion: bei glücklicherweise stabilem Schönwetter bewältigten rund 12 Personen innerhalb von 3 anstrengenden Tagen den Umzug. Beteiligt waren nebst den Zivil- und Kulturgüterschützern auch viele Freiwillige des Museums: als Zügelmänner, z'Nüni- und z'Vieri-Frauen, Organisatoren und Tätschmeisterinnen. Dank der Zivilschutzorganisation standen Fahrzeuge und Anhänger zur Verfügung und der Besitzer einer der neu gemieteten Räumlichkeiten unterstützte den Umzug, indem ein Mitarbeiter mit dem Stapler die Objekte in den Lagerraum hob. 

An den drei Tagen wurden Hunderte von Objekten zuerst mit Druckluft entstaubt, dann auf die Fahrzeuge geladen und am neuen Standort wieder ausgeladen. Die Objekte waren teils sperrig und schwer. Neben dem Hubstapler brauchte es viel Muskelkraft, aber auch Hirnschmalz, um Grosses, Schweres und Sperriges optimal durch die Tür- oder Toröffnungen zu bugsieren. 

Masken auf!

Die Corona-Pandemie erforderte Schutzmassnahmen, die körperlicher Anstrengung und gemeinsamem Anpacken nicht unbedingt zuträglich sind. Wo immer möglich wurde in fixen Zweierteams gearbeitet und die Schutzmaske blieb auch bei intensivem Einsatz oben. Zum Glück! Einer der Zivilschützer musste wegen Verdacht auf eine Coronainfektion abkommandiert werden. Das negative Testergebnis des jungen Mannes sorgte dann im Museumsteam für grosse Erleichterung.
Ebenso gross waren Erleichterung und Freude nach getaner Arbeit: es war ein tolles Gefühl, die Objekte schliesslich «am Schärme» zu haben.

«Nachwehen»

Mit dem geglückten Umzug beginnen nun die «Nachwehen»: Es gilt, Gestelle aufzubauen und die Inventardatenbank nachzutragen. Im elektronischen Inventar wird jedes Objekt auf sein Vorhandensein hin kontrolliert. Jedes Objekt wird einem neuen Standort, Sektor und Fach zugeordnet. Das erfordert einen weiteren Effort des motivierten Museumsteams. 2021 können diese Arbeiten angepackt und zu einem guten Abschluss gebracht werden. Und dann wollen wir hoffen, dass wir möglichst lange vor einem weiteren Umzug verschont bleiben.


Sonderausstellung

Nie eröffnet - verschoben - kurz geöffnet - verlängert

März 2020, die Vorbereitungsarbeiten für die neue Sonderausstellung GELD + GEIST laufen auf Hochtouren. Am 1. April soll alles bereit sein für die Eröffnung – pünktlich zum 150. Geburtstag der Bank SLM. Das Ausstellungsteam arbeitet im Endspurtmodus und ist gespannt. Wie wirken die neu geschreinerten Ausstellungsrahmen, wenn sie aufgebaut sind? Reicht es noch für eine letzte Korrekturrunde, bevor die Daten für die Ausstellungstafeln in den Druck gehen? Sind alle Hörstationen richtig geschnitten?

Alles abgeblasen

Mitten im hektischen Schlussspurt verfügt der Bundesrat am 16. März den Lockdown. Aus der Geburtstags- und Eröffnungsfeier vom 1. April wird nichts und die Ausstellung wird gar nicht erst eröffnet. Die Enttäuschung ist gross, aber die Hoffnung auf eine baldige Öffnung ist intakt. Doch der Verlauf der Pandemie verunsichert. Wie geht es weiter und wann? Und wie können wir Besuchende und die Ausstellungsbetreuenden schützen? Im Mai wird klar, dass Museen wieder öffnen können. Die Museumskommission beschliesst jedoch vorsorglich, die Eröffnung der Ausstellung auf Oktober zu verschieben: Nahezu alle Mitglieder des freiwilligen Museumsteams gehören altersbedingt zur Risikogruppe. Da das Museumsteam keinem Risiko ausgesetzt werden darf, bleibt nur die Verschiebung der Ausstellung auf einen späteren Zeitpunkt. Der Entschluss wird schweren Herzens, aber in vollem Bewusstsein um die Verantwortung für die Gesundheit des Museumsteams getroffen.

Dornröschen schläft weiter

Die vielen geplanten Begleitanlässe werden verschoben, der Ausstellungsflyer wird neu gedruckt: die Ausstellung soll nun am 11. Oktober ohne Eröffnungsanlass erstmals dem Publikum zugänglich gemacht werden und bis zum 25. April 2021 dauern. Die Ausstellung verfällt bis dahin in einen ersten Dornröschenschlaf.
Doch auch dieser Plan wird rasch zu Makulatur. Am 23. Oktober beschliesst der Kanton Bern die Schliessung aller Museen. Nach nur zwei Öffnungssonntagen sind die Museumspforten wieder zu. Und der Verschiebungsreigen beginnt zum zweiten Mal. Der zweite Lockdown stellt alle auf eine Geduldsprobe. Während die Museen in anderen Kantonen noch geöffnet sind, versinkt die Sonderausstellung nach kurzem Erwachen wieder im Dornröschenschlaf. Ein komisches Gefühl für das Ausstellungsteam. Stolz auf die geleistete Arbeit und voller Vorfreude auf die Besucherinnen und Besucher zwingen sich alle zu Geduld und üben sich in Zweckoptimismus.

Ein Jahr danach…

Geduld brauchte es in der Tat: am 5. März 2021, fast ein Jahr später als ursprünglich geplant, durften wir die Sonderausstellung endlich öffnen. Und zugleich verlängern, denn die erste Verschiebung hätte eine Laufdauer bis am 25. April vorgesehen. Nun ist die Ausstellung bis am 12. Dezember geöffnet – wir sind zuversichtlich, dass dies so bleibt und wir nun alle Anlässe wie geplant durchführen können.

Zwangspause bringt auch Gutes

Auch für den Schutz der Besucherinnen und Besucher ist gesorgt. Das Schutzkonzept regelt die maximale Besucherzahl; Hygienemasken und Desinfektionsmittel stehen zur Verfügung. Die Audio Guides und Kopfhörer werden nach und vor jedem Gebrauch desinfiziert. Wer ein Smartphone besitzt, kann die Hörstationen der Ausstellung mit dem eigenen Gerät abrufen. Diese neue Möglichkeit gehört zu den positiven Resultaten, das die Corona-Zwangspause hervorgebracht hat. Dazu gehören auch die digitalen Rundgänge, die wir in der Zeit der Schliessung vorantreiben konnten.


Freiwillige Mitarbeit

Tatkräftig mit Abstand und Maske

Das Museum Münsingen mit Schloss, Öle und den römischen Mosaiken wird von über 50 freiwillig engagierten Menschen getragen. Mit dem Hammer in der Hand oder dem Manuskript unter der Lupe, vor dem Computer oder hinter dem Empfangs-Tresen, im Gespräch mit Besuchenden oder Zeitzeugen: unser Freiwilligenteam übernimmt nahezu alle Aufgaben, die es in einem Museum zu erledigen gibt. Ohne freiwilliges Engagement kein Museum!

Corona als Totengräberin der Freiwilligenarbeit?

Wie gestaltet sich freiwillige Arbeit in Zeiten der Pandemie? Der erste Lockdown im März 2020 brachte die Einsätze des freiwilligen Museumsteams erst einmal zum Erliegen. Altersbedingt gehören alle Mitglieder des Teams zur Risikogruppe. Um weder Freiwillige noch Besuchende einem Risiko auszusetzen, mussten alle Einsätze in Teams aufgeschoben werden. Auch die Eröffnung der neuen Sonderausstellung, die nach den Vorgaben des Bundesrates zum Ende des Lockdowns im Mai 2020 möglich gewesen wäre, musste aus Sicherheitsgründen warten.

Lediglich die Arbeit von Einzelpersonen war möglich, die den sonst persönlichen Austausch über andere Kanäle pflegten. So konnten etwa Arbeiten an den Inventardatenbanken, an der Webseite oder zur Vorbereitung der digitalen Themenwege SmarTrails vorangetrieben werden. Die Unsicherheit war gross und Befürchtungen weiteten sich aus, dass die Entwicklung der Pandemie dem freiwilligen Engagement den Todesstoss versetzen könnte.

Schutzmöglichkeiten lassen aufatmen

Ein erstes – zumindest emotionales – Aufatmen brachte die Empfehlung und spätere Pflicht, Hygienemasken zu tragen. Dank diesen Schutzmöglichkeiten konnten kleine Teams während kürzeren Einsätzen zusammenarbeiten, etwa in der Inventur, bei Arbeiten in den Archiven oder für Projektbesprechungen. Dass sich das freiwillige Museumsteam im Schloss und in der Öle nach einer Pause wieder an die Arbeit machte, ist keineswegs selbstverständlich.

Danke!

Trotz Maske im Gesicht und Abstand, der die Arbeitsabläufe oftmals hinderte, wurde angepackt. Vorsicht und auch gegenseitige Rücksichtnahme waren geboten. Doch niemand liess sich entmutigen und allen Widrigkeiten zum Trotz wurde gearbeitet und auch die Öle konnte in den Sommermonaten wieder geöffnet werden. All den engagierten Männern und Frauen gebührt ein riesiges Dankeschön für ihre tatkräftigen Einsätze und ihre Solidarität in dieser schwierigen Zeit!


Die Zahnräder drehten im Coronajahr langsamer
An nur 10 Tagen konnte geölt werden

Öle

Die Räder drehten langsamer

Die Coronapandemie liess die Räder auch in der Öle langsamer laufen und drosselte den Betrieb.

Der zu Beginn des Jahres aufgestellte Terminplan fürs 2020 umfasste anfänglich 62 Eintragungen, von denen aus bekannten Günden 32 die rote Bemerkung «entfällt» bekamen. Das hatte auch zur Folge, dass wir für die Kunden an bloss 10 Tagen Kerne pressten, konkret 834 kg – die Kunden verwerteten ihre Ware anderweitig.  Wir hatten auch schon Jahre mit noch weniger Kernen.

Natürlich war die Öle für Besucher erst ab Mitte August bis Ende Oktober an den Wochenenden offen, das waren fünf Tage. Die Anzahl Führungen beschränkte sich auf acht. Somit hatten wir etwa 180 Besucher in der Öle.


Anlässe Herbst/Winter 2021

Gotthelf, Madame De Meuron und noch mehr gute Geschichten

Das Museum ist wieder offen und die Lockerungen der Schutzmassnahmen lassen auch wieder Anlässe zu: Trotz noch geltender Maskenpflicht und Kapazitätsbegrenzungen wird im Schloss wieder erzählt, musiziert und vorgetragen. Eine Freude für Kunstschaffende, Organisatorinnen und auch für das Publikum – versprochen!

Nachholbedarf

Für die vielen, ein-, zwei- oder gar dreimal verschobenen Veranstaltungen sind neue Termine in der zweiten Jahreshälfte gefunden. Es gibt einiges nachzuholen:

  • Am 19. September folgt Ernst W. Eggimann mit «GELD + GEIST + GOTTHELF» den Gedanken des grossen Emmentaler Dichters zu Segen und Unsegen des Geldes.
  • Am 24. Oktober fragen wir mit Madame De Meuron-von Tscharner: «Syt Dir öpper oder nämet Dir Lohn?»  Über Geld spricht man nicht – Geld hat man. Wenn das wahr wäre, wäre so manches Märchen nicht erzählt, so manche Geschichte nicht geschrieben worden. Auf der Suche nach der Wirkung von Silber, Gold und Geld holt Roswitha Menke Geschichten aus dem fernen Russland, dem nahen Bern und den Bündner Bergen ins Museum Münsingen.
  • Am 19. November klappern die Nadeln und die Buchseiten rascheln: Am alljährlichen «Strick-Geschichten»-Nachmittag liest die Schriftstellerin Barbara Traber aus ihren Mundartgeschichten.
  • Und am 21. November erwartet Sie die Schlossherrin höchstpersönlich: Magdalena Nägeli (1550 – 1628) erzählt am Originalschauplatz in der Von Steiger Stube aus ihrem bewegten Leben.

Eine Übersicht über alle Anlässe mit online-Anmeldemöglichkeit finden Sie hier.


Vermittlung

Das Abenteuer geht weiter

Das Abenteuer im Schloss ist inzwischen eine feste Grösse im Vermittlungsangebot des Museums. Viele Kinder nehmen zwei oder sogar dreimal teil: die groben Züge des Abenteuers bleiben sich zwar gleich, aber die Geschichte nimmt jedes Mal wieder neue, unerwartete Wendungen. Je nachdem, welche Verkleidungen die Kinder wählen, sind unterschiedliche Figuren mit von der Partie – vom äusserst schnellen und findigen Hasen über den etwas gruseligen aber sehr wassertauglichen Wassermann Gluntschli bis zur nachtaktiven Fledermaus. Und je nach Rollen und Erfindungslust ist das Abenteuer immer ein anderes. Das einzige, was immer gleich ist: die Geschichte endet gut!

Abenteuer mit Maske?

Die Corona-Pandemie hatte und hat auch für das Abenteuer im Schloss Folgen. Nach einer Zwangspause konnten wir im Juni mit dem ersten Abenteuer starten. Vorerst noch ohne Hygienemaske für Therese Otti und Therese Wittwer, die die Kinder auf dem Abenteuer begleiten. Mit der zweiten Welle wurde das Tragen der Maske zur Vorschrift für die Erwachsenen. Die erste spontane Reaktion: undenkbar! Die Kinder müssen unsere Mimik sehen! Dank der Bereitschaft der beiden Leiterinnen, es trotzdem zu probieren, war die anfängliche Skepsis rasch überwunden. Es zeigte sich, dass es auch mit Maske funktioniert – mit weniger sichtbarer Mimik, dafür aber mit mehr Gestik und Körpersprache.  

Für Überraschungen ist gesorgt

Die Hygieneregeln haben auch im Ablauf des Abenteuers Veränderungen bewirkt. So müssen nun die Kinder die kleine Zwischenverpflegung selber mitbringen und können nicht mehr bei der Kräuterfrau Dörrfrüchte naschen und Tee trinken. Dass die Begleiterinnen Masken tragen, kennen die Kinder inzwischen aus ihrem Alltag und Therese Otti meint schmunzelnd:  «Ich komme bei dramatischen Szenen nur noch selten in Atemnot.»

Tipps und Deals

Mit all den fantastischen Ideen der Kinder nimmt die Geschichte immer wieder neue Wendung, besonders wenn die Zauberin in verzwickten Situationen beherzt eingreift. Der Löwe staunte nicht schlecht, als er vom Räuber einen Tipp erhielt, wie er mühelos einen Springbock erbeuten kann und die Fledermaus machte kürzlich mit dem König der Tiere selbständig einen Deal. Eindrücklich ist auch, wie die Kinder mit überraschenden Lösungen die Bösewichte ausschalten oder verwandeln. So bleibt das Abenteuer im Schloss auch für die beiden Begleiterinnen Therese Otti und Therese Wittwer jedes Mal ein echtes Abenteuer.


Der Dorfplatz vor 1975 mit dem Schafroth-Haus, in dem sich eine Bäckerei befand. (Bild: Museum Münsingen, Hans Maurer)
Der Dorfplatz heute mit dem renovierten Gebäude der Bank SLM. (Bild: Museum Münsingen, Fritz Brand)

Sonderausstellung 2022

Grossdorf? Kleinstadt? Agglobern?

Im letzten Jahresbericht haben wir in einem ausführlichen Beitrag die geplante Sonderausstellung über die Siedlungsentwicklung in Münsingen vorgestellt. Weil die aktuelle Ausstellung «Geld+Geist – 150 Jahre Bank SLM» erst mit fast einem Jahr Verspätung geöffnet werden konnte und deshalb bis in den Dezember 2021 verlängert wird, verschiebt sich die nächste Sonderausstellung zu Themen rund um den Wandel Münsingens ebenfalls um ein Jahr. Die Eröffnung ist für Herbst 2022 geplant.

Dorf? Stadt? Agglo?

Thema und Ausstellungsinhalte bleiben wie angekündigt. Ist Münsingen eine kleine Stadt oder doch eher ein grosses Dorf? Die Wahrnehmungen sind unterschiedlich, die Entwicklung geht laufend weiter. Die Ausstellung soll dazu beitragen, über das Münsingen der Gegenwart und der Zukunft nachzudenken. Wünsche und Vorstellungen von Einwohnerinnen und Einwohnern sind zu hören. Wie passen diese zu aktuellen Anforderungen, wie zum Beispiel der Notwendigkeit, die Zersiedlung und den Verlust von Frei- und Landwirtschaftsfläche zu stoppen?

Bilder des Wandels

Anhand von zahlreichen Aufnahmen werden auch die bauliche Geschichte und die Entwicklung Münsingens dargestellt. Historisches, wie das Schloss, steht neben traditionell Gewachsenem und nach neusten Erkenntnissen und Bedürfnissen Erbautem. Viele Beispiele zeigen, dass oft auch das eine dem andern weichen musste. Münsingen im Wandel der Zeit.


Vermittlung

Geschichte erleben - Unbekanntes entdecken

Das Vermittlungsangebot des Museums ist um eine Attraktion reicher. Mit den digitalen Themenwegen SmarTrails wurde im Berichtsjahr ein Angebot geschaffen, das Geschichts- und Münsingen-interessierten Besucherinnen und Besuchern neben den temporären Ausstellungen und den vom Museum organisierten Anlässen eine weitere Perspektive eröffnet.

Nach umfangreichen Evaluationsarbeiten zu den Möglichkeiten der technischen Vermittlung und der ersten Planung der Inhalte hat ein kleines Team den ersten Rundgang  erarbeitet.

Nutzerinnen und Nutzer können den ersten Themenweg «Das alte Münsingen» mit dem eigenen Smartphone begehen und in der freien Natur vor Ort erleben, wie es heute ist und wie es früher einmal war. Dabei wird man per GPS der Route entlanggeführt. Voraussetzung ist ein internetfähiges Smartphone oder Tablet. Anfang Jahr konnte dieser Themenweg während einer begrenzten Zeit auch auf der neu gestalteten Website des Museums heruntergeladen und zu Hause am Bildschirm angeschaut werden. Bei der Konzeption wurde darauf geachtet, dass die Informationen der Posten und die zugehörigen Bilder oder Filmausschnitte prägnant formuliert sind. Die Hörtexte zu den insgesamt 13 Posten sind in Mundart wiedergegeben.

Unterwegs «In Mattos Reich»

Neu über SmarTrails verfügbar ist neben dem Erlebnisweg «Das alte Münsingen» auch der bislang im Portal «Wanderwege vor den Toren Berns» geführte Trail «In Mattos Reich». Dieser digitale Spaziergang entstand mit der Unterstützung der Regionalpolitik des Kantons Bern. Er folgt den literarischen Spuren des berühmten Kriminalromans «Matto regiert» von Friedrich Glauser.

Mystische Orte und «Best-of-Münsingen»

Weitere Themenwege sind in Vorbereitung, ebenso ein Angebot für Schülerinnen und Schüler (7. bis 9. Klasse) und Familien. Bereits weit fortgeschritten ist der Spaziergang, der zu historisch-mystischen Orten führt: Dieser Weg erkundet Münsingens Umgebung bis hinauf nach Tägertschi. Er wird in der zweiten Jahreshälfte 2021 ebenfalls verfügbar sein.

Lassen Sie sich überraschen! Nutzen Sie die spannenden Angebote, die eine den heutigen Bedürfnissen entsprechende Ergänzung zum bestehenden Museumsangebot und vor allem auch zum umfassenden Geschichtsband «Münsingen – Geschichte und Geschichten» aus dem Jahr 2010 darstellen.


Blick in die Sammlung von historischen Alltagsgegenständen
Tabakprodukte aus der Münsinger "Tubaki" Kost
Taufzettel von 1804
Handschriftlicher Taufzettel von 1751

Sammlung

Die Sammlungen 2021

Corona-bedingt konnten im Berichtsjahr praktisch keine Neuzugänge bei den Sammlungen verzeichnet werden, mit Ausnahme eines schon im Vorjahr von der Taufzettel-Stiftung beschlossenen Ankaufs eines Bestandes aus dem Nachlass eines privaten Sammlers. Zu dieser Ergänzung der schweizweit einmaligen Sammlung von Taufandenken lesen Sie unten mehr.

Zwar schränkten die Pandemie-Massnahmen auch die Tätigkeit des Inventarisierungs-Teams ein. Dieses blieb aber im Rahmen des Möglichen aktiv:

•        In den Sommermonaten war es vor allem mit der Neuordnung der historischen Bestände des Gemeindearchivs beschäftigt – eine Aufgabe, die das Museum im Auftrag der Präsidialabteilung wahrnimmt.

•        Da unser Sammlungsinventar in der zweiten Hälfte von 2021 auf eine neue, durch mehrere Kantone betriebene Plattform (KIM.ch) verschoben wird, fallen aufwändige Arbeiten für die Überführung der Daten an. Kopfzerbrechen bereitet vor allem der Umstand, dass die Erfassungsmerkmale und -kriterien der Sammlungsobjekte in unserer eigenen Datenbank (Felder in den Datensätzen) nicht vollständig mit den Strukturen der neuen Plattform übereinstimmen. Eine Lösung dieses Problems zeichnet sich aber inzwischen ab.

Bestandesentwicklung

 

Ende 2017

Ende 2018

Ende 2019

Ende 2020

Archivalien

18'186

18'347

18'840

18'915

Sachgüter

4'768

4'771

4'772

4'772

Nachlass Therese Keller

1'085

1'085

1'087

1'078

Taufzettel (komissarisch betreut)

1'741

1'743

1'764

1'764

Total

25'782

25'946

26'463

26'538

         

Eine wertvolle Ergänzung

Im Rahmen einer Vereinbarung zwischen der Stiftung «Berner Taufzettel, Sammlungen Bärtschi und Bieri» mit der Gemeinde Münsingen (als Mitgründerin der Stiftung) besorgt das Museum die Pflege der Taufzettel-Sammlung, und in der Person von Sarah Pfister stellt es auch die Geschäftsführerin – es ist also durchaus legitim, hier kurz über eine wertvolle Ergänzung der Taufzettel-Sammlung zu berichten.

Als «Taufzettel» bekannt sind vor allem die oft von Hand kolorierten Drucke, welche die Taufpaten zum Andenken an die Taufe überreichten, zusammen mit einem Geldgeschenk. Die Bildspalte zeigt ein derartiges Exemplar aus unserer Sammlung – es stammt aus Münsingen von einer Taufe am 4. Mai 1804. Weniger bekannt sind aber ältere Taufzettel, die von den Taufpaten selber handschriftlich angefertigt wurden. Mit dem Erwerb der erwähnten Sammlung Rutishauser konnte nun die Stiftung ihren Bestand um eine grössere Zahl solcher Dokumente ergänzen. Ein entsprechendes Beispiel ist in der Bildspalte zu sehen. Es stammt vom 1. August 1751. Deutlich zu sehen sind Faltspuren, wurden doch die Taufzettel in der Regel kunstvoll gefaltet, um darin gleich den «Göttibatzen» zu überreichen.